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Stiftung Jugend und Bildung

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Die eigene Zeitung

Britney Spears

Oder: So wird man berühmt

Nicht jede hat gleich so viel Glück wie Veronica You. Vor drei Jahren klingelte bei der damals Zehnjährigen das Telefon: Eine gewisse Britney Spears meldete sich gehorsamst zum Exklusiv-Interview. Die Schülerzeitungsredakteurin hatte dem Popstar ein paar Tage zuvor in einem Hotel aufgelauert und einen Zettel zugeschoben. Sie hätten dann völlig entspannt über Britneys damalige Ehe mit Kevin Federline geredet, berichtete die Amerikanerin später in der Schülerzeitung ihrer Grundschule. Und dann der Weltpresse. So wird man berühmt.

Chuzpe – also der Mut, auch aussichtslose Projekte wie das Interview mit einer Pop-Ikone zu verfolgen – gehört wahrscheinlich zur Grundausstattung einer Schülerzeitungsredaktion. Wer mehr produzieren will als ein Witzsammlungsheft, vielleicht sogar etwas bewegen an der Schule, im Stadtteil oder der Gemeinde, der muss Mut, Durchhaltevermögen und ein gewisses Maß an Frechheit mitbringen.

Als Lohn gibt es in der Regel (noch) nicht den Kisch-Preis (die höchste Ehre für den deutschen Journalisten), oft Ärger mit der Schulleitung, die selbst bei sanfter Kritik schon um ihre Autorität fürchtet, nicht selten ein paar Nachtschichten, um den Redaktionsschluss zu schaffen – und die Befriedigung, sich ur-demokratischer Werkzeuge zu bedienen.

Ulrich Wickert, der Tagesthemen-Sprecher, hat das mal so ausgedrückt: „Schüler, die sich mit dem Projekt einer Schülerzeitung befassen, sind Menschen, denen es wichtig ist, Informationen zu sammeln, sie zu sortieren und zu bearbeiten und zu verbreiten. Damit erarbeiten sie die Grundlage dessen, was als intellektuelles Material zur Meinungsbildung dient.“

Sich eine eigene Meinung zuzutrauen und es auch auszuhalten, wenn sie kritisiert wird, ist unverzichtbares Rüstzeug für Demokraten. Gerade als Schülerzeitungsredakteurin oder -redakteur lernt man schnell, dass eine durch Fakten gut begründete Meinung länger hält als das schnelle Nachplappern vager Vorurteile. Ganz egal, ob es um große Politik oder „kleine“ Lokalprobleme geht oder um Britney Spears.

Eine Schülerzeitung herausbringen darf jede und jeder; die vom Grundgesetz garantierte Meinungsfreiheit gilt auch für Jugendliche und Kinder. Es gibt aber Einschränkungen: So ist die Meinungsfreiheit kein Freibrief für Verleumdung oder Verhetzung. Und an Schulen gelten noch einmal ganz besondere Regeln. Schülerzeitungen haben dort auf der einen Seite Vorrechte: So gilt für sie weder das Gebot der Unparteilichkeit noch das Werbeverbot. Auf der anderen Seite können – zumindest in einigen Bundesländern – Schulleitungen den Vertrieb auf dem Schulhof verbieten. Wenn die Schülerzeitschrift ausschließlich von Schülern herausgegeben wird, darf auch der Rektor keine Zensur ausüben. Die genauen Regelungen sind allerdings von Land zu Land verschieden, so dass man sich vorab informieren muss. rfd

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